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Burn, warning, burn!

Länder wie Australien, Neuseeland und Kanada führen heutzutage die Tabakbekämpfung und Raucherhatz an. So nimmt es nicht Wunder, dass man in Kanada auf die Verunstaltung von Tabakpackungen durch Ekelbilder und Propagandasprüche noch eins draufsetzen will. Regierungsseitig wird laut darüber nachgedacht, die sogenannten Warnhinweise nicht nur auf den Schachteln, sondern gleich einzeln für jede Zigarette vorzuschreiben. Das sähe dann in etwa so aus: Text auf dem Zigarettenpapier und /oder dem Filter.

Wenn man dem Irrsinn und der Despotie den kleinen Finger reicht – und das hat man beim Thema Rauchen schon vor Jahrzehnten getan, nicht nur bei den Warnhinweisen – hacken sie einem irgendwann den ganzen Arm ab. Insofern wäre diese Maßnahme nur folgerichtig. Raucher von Fertigzigaretten werden seit Jahren gezwungen, bei den elenden „Feuersicheren Zigaretten“ mehr und zusätzliche Chemikalien einzuatmen – damit haben übrigens nicht USA und EU angefangen, sondern eben jenes Kanada hat als erstes Land diese Maßnahme eingeführt, deren vermeintlicher Nutzen zur Brandverhütung mehr als zweifelhaft ist, die dafür aber das Produkt unattraktiver macht.  Dann sollen die Raucher eben künftig auch noch die Druckerschwärze mitrauchen. Immerhin: Aus dem Augenwinkel beim Rauchen kann man die Aufschrift eh nicht lesen, und jeder Zug aus der Zigarette vernichtet ein Stück des manipulativen Geschreibsels.

Was kommt als nächstes? Der in die Schachtel eingebaute Minilautsprecher zur Beschallung mit amtlichen Indokrinationsparolen? Oder wird jedem Raucher ein Ekelspruch auf die Stirn tätowiert, damit er sich bei jedem Blick in den Spiegel daran erinnert, dass er als Aussatz der Gesellschaft auf der Abschussliste steht? Wir wollen hier nicht weiter spekulieren, denn selbst die abstruseste Vermutung dieser Art wird irgendwann von der Realität überholt.

Bizarr mutet zudem an, dass die kanadische Obrigkeit mit dieser Grusel-Maßnahme auch gegen Schwarzmarktware vorgehen will. Denn deren Attraktivität würde fraglos weiter steigen, als sie es angesichts der dort turmhohen Straf-Tabaksteuern ohnehin schon ist, wenn die „illegalen“ Zigaretten weiterhin ohne verunstaltende Aufdrucke auskommen.

Warnhinweis auf Amerikanisch

Was sehen wir auf dem Foto? Eine Zigarettenschachtel einer Marke der Firma Nat Sherman, wie sie in den USA erhältlich ist.

Was sehen wir nicht? Ekelbilder, schwarz unterlegte oder umrandete Ekeltexte.

Stattdessen nur einen Warnhinweis an einer Seite der Packung, der sich in das Design einpasst und nicht groß stört. Und, ganz wichtig: der den Absender preisgibt, nämlich den „Surgeon General“ der USA, das ist der oberste Volksgesundheitsbeamte. (In Großbritannien: Chief Medical Officer, in Deutschland 1939-1945: Reichsgesundheitsführer.)

Eigentlich hat eine solche staatliche Meinungsäußerung auf einer Produktverpackung gar nichts verloren, aber der Unterschied zu den in der EU vorgeschriebenen Packungen seit der TPD 2 ist frappierend. Irreführende Propagandabilder und -texte, die die Schachteln, Dosen und Beutel verunstalten, und nicht einmal mehr der Zusatz „Die EG-Gesundheitsminister warnen“ (noch früher: „Der Bundesgesundheitsminister warnt“), die wenigstens noch transparent gemacht hatten, wer den Zeigefinger meinte schwingen zu müssen.

Woher rührt dieser Unterschied? In den USA wird Meinungsfreiheit groß geschrieben, man kann niemanden, auch keine Unternehmen, einfach dazu zwingen, eine Meinung zu äußern, die er nicht äußern will. Deshalb scheiterte 2012 auch ein Versuch, Schockbilder auf Tabakpackungen einzuführen (die weniger Oberfläche bedeckt hätten als jetzt in der EU) an einem Bundesberufungsgericht in Washington/D.C. Die Kammermehrheit urteilte, dass die „subjektive – und vielleicht sogar ideologische – Sicht des Staates“ auf das legale Produkt Tabak nicht einfach den Ersten Zusatz zur US-Verfassung verletzten dürfe. Die Warnungen, erkannte das Gericht zutreffend, sind ihrem Charakter nach nicht faktengestützt, sondern sollen emotionalisieren. Außerdem bringen sie nicht das, was sich der Staat offiziell von ihnen verspricht.

Nicht, dass die Raucher in den USA gut behandelt würden – Strafsteuern, gesetzliche Rauchverbote, ‚feuersichere‘ Zigaretten u.ä. gibt es auch dort –, aber an diesem Punkt haben sie einen Vorteil. Denn die Vereinigten Staaten von Amerika sind aus freiheitlichen und demokratischen Impulsen entstanden, während die EU, die gerne die „Vereinigten Staaten von Europa“ wären, auf elitärer Volksferne beruhen und sich durch freiheitsfeindliche Bevormundung kennzeichnen.

EU fordert Raucherlungen und faule Zähne in Zigarettenpackungen

Was die Ekelbilder auf den Tabakpackungen angeht, „bleibt der Überbietungslogik zufolge praktisch nur noch das Mittel der antiästhetischen Steigerung“, schrieb Alexander Jäger bei uns.  Wie so was aussehen könnte, hat „Eine Zeitung“ mal durchdacht. Wird wahrscheinlich bald von der Realität überholt.

Letzte Gelegenheit: Tabak ohne Schockbilder

Am 20. Mai endet die Abverkaufsfrist für Tabakwaren von vor der TPD2. Das heißt: Noch knapp vier Wochen lang dürfen Tabakhändler Zigaretten, losen Tabak und Zigarren verkaufen, die nicht den Vorschriften der novellierten EU-Tabakproduktrichlinie entsprechen, also vorher hergestellt wurden. Die neue TPD war am 20. Mai 2016 in Kraft getreten; nach dem Übergangszeitraum, der in Kürze also abläuft, besteht eine EU-weite Prohibition für diese Produkte.

Wer also noch die vertrauten Waren – ohne Ekelbilder und eventuelle Geschmacksveränderung – erwerben möchte, muss in den nächsten Wochen nach Resten suchen, die bei Einzelhändlern noch vorrätig sein könnten. Ein Jahr nach Produktion sind bei Dreh- und Stopftabak nennenswerte Qualitätseinbußen zu befürchten – bei halbwegs vernünftig gelagerten fertigen Zigaretten hingegen nicht – siehe unsere Hinweise zur Tabakbevorratung. Nicht zu vergessen Zigarren und Zigarillos – die oft lange und gut gelagert werden von den Fachhändlern, welche aber bald auf ihren Restbeständen sitzen bleiben, weil sie sie nicht mehr verkaufen dürfen.

Die Eingriffe in den Tabakmarkt gestalten sich seit langem so gravierend, dass auch Rabatt- und Schlussverkaufsaktionen – eigentlich Standard im Einzelhandel – untersagt sind. Also: bis zum 20. Mai zulangen, soweit der Vorrat reicht.

Immerhin gestattet der moralisch und politisch längst bankrotte EU-Moloch noch den Verkauf von Mentholzigaretten bis zum Jahre 2020. Wie gnädig.

Alexander Jäger über Anstands- und Ekelgrenzen

Zum Thema Schockbilder auf Tabakverpackungen schreibt Alexander Jäger in der Facebook-Gruppe von Netzwerk Rauchen e.V.:

Die Überschreitung von Anstands- oder Ekelgrenzen ist übrigens ein sehr heikles Thema. Wenn man sich als Künstler einmal entschlossen hat, eine solche Grenzüberschreitung zu begehen, gibt es kein Zurück mehr. Beispielsweise in meinem kleinen Buch: Ab dem Moment, in dem ich den griechischen Kackspecht als Figur einführe, gibt es nur noch den Weg weiter vorwärts auf der Ekel- bzw. später der Gewaltspirale; wenn in einem Film die erste Splatterszene zu sehen ist, müssen zwangsläufig weitere folgen, sonst funktioniert das Ganze nicht mehr, ebenso wie ein Film nach einer pornographischen Sequenz nicht mehr als seriöses Drama weitergehen kann. Der Schock überschattet gewissermaßen das Gesamtwerk und wird zu einem hartnäckig aufsässigen Detail (darum ist beispielsweise „Ein andalusischer Hund“ bis heute in erster Linie der Film mit der Rasierklinge im Auge, was sonst noch so geschieht, wird irrelevant).
Die Frage ist, was die EU vorhat, nachdem die Eskalationsstufe „Schockfotos“ nun erreicht wurde? Zurück zur Sachlichkeit geht nicht mehr, es bleibt der Überbietungslogik zufolge praktisch nur noch das Mittel der antiästhetischen Steigerung, schon alleine aufgrund der unvermeidlichen Gewöhnung und Abstumpfung. Ich bin gespannt, denn Gore Galore ist vorprogrammiert.

Erneut Schocktoter erkannt – Leichenfledderei?

Der Abgebildete auf einem der 14 Ekelbilder, die auf den Tabakpackungen prangen, ähnelt offenbar einer Vielzahl ehemaliger Krankenhauspatienten, toter wie lebendiger. (Wir berichteten.) Den Beweis, dass es sich nur um einen Schauspieler handle, hat die für die Horrorverzierungen verantwortliche EU-Kommission bisher nicht erbringen können.

Jetzt wurde erstmals auf einem anderen Motiv eine auffällige Ähnlichkeit festgestellt. Ein etwas jüngerer Herr in einem Leichensack wurde von einem Ehepaar aus Meckenheim bei Bonn als deren verblichener Sohn identifiziert. Dieser war vor 10 Jahren im Alter von 36 an einer schweren Darmkrankheit verstorben. Mit dem Rauchen hatte dieser Todesfall selbstverständlich nichts zu tun, wie überhaupt das Bild postfaktisch vorgaukelt, jüngere Menschen stürben häufig „am Rauchen“.

Bemerkenswert: Die bestürzten Eltern erkannten den Leichensack wieder. Hoffentlich veranlasst die von ihnen eingeschaltete Rechtsanwältin, dass der Brüsseler Apparat endlich die Karten auf den Tisch legt und sich nicht länger weigert, die Identität der angeblichen Grusel-Models preiszugeben. Tote fotografieren und die Bilder ohne Einverständnis der Angehörigen verwenden? Geschäftspartnern der EU-Gesundheitstaliban wäre solche Leichenfledderei zum Zwecke billiger Propaganda jedenfalls zuzutrauen.

Ab dem Sommer wird die zweite der drei Fotoserien (mit 14 anderen Motiven zu den gleichen Sprüchen – (same toilet, different shit) nach und nach auf den Packungen erscheinen. Vielleicht kommt es dann zu neuen Wiedererkennungseffekten, was die abgelichteten Personen betrifft. Wenn Sie jemanden zuordnen können, zögern Sie nicht, Netzwerk Rauchen zu verständigen, z.B. über unser Kontaktformular.