Schlagwort-Archive: Meinungsfreiheit

Warnhinweis auf Amerikanisch

Was sehen wir auf dem Foto? Eine Zigarettenschachtel einer Marke der Firma Nat Sherman, wie sie in den USA erhältlich ist.

Was sehen wir nicht? Ekelbilder, schwarz unterlegte oder umrandete Ekeltexte.

Stattdessen nur einen Warnhinweis an einer Seite der Packung, der sich in das Design einpasst und nicht groß stört. Und, ganz wichtig: der den Absender preisgibt, nämlich den „Surgeon General“ der USA, das ist der oberste Volksgesundheitsbeamte. (In Großbritannien: Chief Medical Officer, in Deutschland 1939-1945: Reichsgesundheitsführer.)

Eigentlich hat eine solche staatliche Meinungsäußerung auf einer Produktverpackung gar nichts verloren, aber der Unterschied zu den in der EU vorgeschriebenen Packungen seit der TPD 2 ist frappierend. Irreführende Propagandabilder und -texte, die die Schachteln, Dosen und Beutel verunstalten, und nicht einmal mehr der Zusatz „Die EG-Gesundheitsminister warnen“ (noch früher: „Der Bundesgesundheitsminister warnt“), die wenigstens noch transparent gemacht hatten, wer den Zeigefinger meinte schwingen zu müssen.

Woher rührt dieser Unterschied? In den USA wird Meinungsfreiheit groß geschrieben, man kann niemanden, auch keine Unternehmen, einfach dazu zwingen, eine Meinung zu äußern, die er nicht äußern will. Deshalb scheiterte 2012 auch ein Versuch, Schockbilder auf Tabakpackungen einzuführen (die weniger Oberfläche bedeckt hätten als jetzt in der EU) an einem Bundesberufungsgericht in Washington/D.C. Die Kammermehrheit urteilte, dass die „subjektive – und vielleicht sogar ideologische – Sicht des Staates“ auf das legale Produkt Tabak nicht einfach den Ersten Zusatz zur US-Verfassung verletzten dürfe. Die Warnungen, erkannte das Gericht zutreffend, sind ihrem Charakter nach nicht faktengestützt, sondern sollen emotionalisieren. Außerdem bringen sie nicht das, was sich der Staat offiziell von ihnen verspricht.

Nicht, dass die Raucher in den USA gut behandelt würden – Strafsteuern, gesetzliche Rauchverbote, ‚feuersichere‘ Zigaretten u.ä. gibt es auch dort –, aber an diesem Punkt haben sie einen Vorteil. Denn die Vereinigten Staaten von Amerika sind aus freiheitlichen und demokratischen Impulsen entstanden, während die EU, die gerne die „Vereinigten Staaten von Europa“ wären, auf elitärer Volksferne beruhen und sich durch freiheitsfeindliche Bevormundung kennzeichnen.

Danke, dass Sie rauchen!

Danke, dass Sie rauchen! Erst die Freiheit macht Jungs zu Männern und Mädchen zu Frauen.

Playboy-Autor David Signer, 49, promovierter Ethnologe, NZZ-Redakteur und Genussraucher, attackiert in seinem Buch „Weniger Verbote! Mehr Genuss! Ein Aufruf gegen die Entmündigung“ die totalitäre Sittenwacht der Meinungsmacher.

http://www.playboy.de/lifestyle/genuss/gegen-die-sittendiktatur?utm_campaign=BNG-Kooperation-2016